Das Pilotprojekt Match’In nimmt die Zuweisung von Schutzsuchenden von den Bundesländern auf die Kommunen in den Blick: Wie lässt sich der Verteilungsprozess so organisieren, dass dabei sowohl die Bedarfe der Schutzsuchenden als auch die Bedingungen in den Kommunen mitgedacht werden?
Bei der Zuweisung werden persönliche Bedarfe oder vorhandene Ressourcen der Schutzsuchenden bisher kaum systematisch erfasst.
Welche Bedingungen in den aufnehmenden Kommunen herrschen, wird in den bisherigen Zuweisungsprozess ebenfalls nicht systematisch einbezogen.
Ob Schutzsuchende vor Ort gute Chancen für gelingende Teilhabe finden, ist aktuell weitestgehend dem Zufall überlassen.
Im Rahmen des Match’In-Projekts haben die Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg gemeinsam mit vier Bundesländern ein algorithmengestütztes Verfahren entwickelt, das die individuellen Bedarfe und Voraussetzungen der Schutzsuchenden ebenso wie die Bedingungen in den Kommunen systematisch erfasst. Basierend darauf werden Vorschläge für die Verteilung der Schutzsuchenden gemacht.
Dazu werden insgesamt über 60 Kriterien in den Zuweisungsprozess einbezogen. Diese wurden ermittelt unter Berücksichtigung von Erkenntnissen aus der Migrationsforschung ebenso wie der Beteiligung diverser Expert:innen – darunter Schutzsuchende als Expert:innen in eigener Sache, Expert:innen für besondere Schutzbedarfe sowie Vertreter:innen von Zuweisungsbehörden und Kommunen.
Beispiele auf Seiten der Geflüchteten sind gesundheitliche Bedarfe, verfügbare Ressourcen (Bildungsabschlüsse, Sprachkenntnisse, Arbeitserfahrung), familiäre Beziehungen sowie Präferenzen (z. B. Hobbies oder Wunsch nach naturnaher Unterbringung). Auf kommunaler Seite fließen strukturelle Daten (z. B. zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt) sowie vorhandene Unterstützungsstrukturen ein.
Nach der Erfassung aller Daten durch digitale Fragebögen gleicht die Match‘In Software die Bedarfe der Schutzsuchenden mit den Bedingungen der aufnehmenden Kommunen ab und erstellt daraufhin eine Reihung der Kommunen, je nachdem, wie gut sie zu den Voraussetzungen der betreffenden Person passen. Diese Reihung dient dann als Verteilungsvorschlag für die zuweisenden Stellen.
Durch den systematischen Einbezug der Bedarfe von Schutzsuchenden und aufnehmenden Kommunen wird das Zuweisungsverfahren präziser, effizienter und besser auf die tatsächlichen Anforderungen abgestimmt.
Informierte Verwaltungsentscheidungen erleichtern die Ausübung pflichtgemäßen Ermessens und erhöhen die rechtliche sowie fachliche Sicherheit im Verwaltungshandeln.
Eine bedarfsgerechte Zuweisung verbessert die Integrations- und Teilhabechancen von Schutzsuchenden und unterstützt ein nachhaltiges Ankommen in den Kommunen.
Ein nachvollziehbares Verfahren sowie Open-Source-Software und frei zugängliche Materialien machen Prozesse transparent, verständlich und überprüfbar für alle Beteiligten.
Die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung von Schutzsuchenden, Fachexpert:innen und kommunalen Akteur:innen fördert Akzeptanz, Vertrauen und gemeinsame Verantwortung.
Das Pilotprojekt Match’In besteht aus zwei Förderphasen, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte haben:
Im Zeitraum 2021 bis 2025 haben die Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg und vier ausgewählte Bundesländer, gefördert durch Stiftung Mercator, ein algorithmengestütztes Verfahren entwickelt, das individuelle Bedürfnisse von allein reisenden, volljährigen Schutzsuchenden erfasst und prüft, welche Kommune ihren jeweiligen Bedürfnissen am besten entspricht. Dieses wurde mit mehr als 20 aufnehmenden Kommunen unter Realbedingungen getestet und wissenschaftlich begleitet.
Das Vorhaben im gegenwärtigen Förderzeitraum (2025–2027) baut auf den Ergebnissen des ersten Förderzeitraums auf und wird in zwei Teilprojekten realisiert, die durch das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz sowie das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales gefördert werden. Diese Fortsetzungsphase hat zwei Kernziele: die Weiterentwicklung des gemeinsamen Verteilungsprototyps für Familienverbünde (Teilprojekt Rheinland-Pfalz) sowie die Programmierung einer App für Schutzsuchende (Teilprojekt Hessen).